Mode aus Meeresplastik – Was recyceltes Plastik in Klamotten der Umwelt bringt I Ökochecker SWR

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Recyceltes Plastik in Klamotten ist in: Slogans wie „Hergestellt aus alten PET-Flaschen“, „Gefertigt aus gesammeltem Meeresmüll“ oder „Gestern noch Fischernetze, heute schon Socken“ findet man auf immer mehr Klamotten. Was früher totale Nische war, ist in den letzten Jahren zu einem der MUST-HAVES im Kleiderschrank geworden. Egal ob Rucksack, Leggings oder Blazer – immer mehr große Modeketten bieten Kleidung aus recyceltem Plastik an. Wie viel Nachhaltigkeit steckt dahinter und wie viel ist nur Marketing? ÖKOCHECKERIN Katharina Röben findet es heraus.

WIESO BRAUCHEN WIR MODE AUS RECYCELTEM PLASTIK?
First things first. Dass wir ein Plastikproblem haben, sollte im Jahr 2020 jedem von uns klar sein. Wir verbrauchen unfassbar viel Plastik und nicht alles landet in den Recyclinganlagen dieser Welt. Der WWF geht davon aus, dass bis zu 12,8 Millionen Tonnen Plastik (!) pro Jahr in unseren Weltmeeren laden.

IST MODE AUS RECYELTEM PLASTIK DIE LÖSUNG FÜR UNSER PLASTIKPROBLEM?
Neue Klamotten verbrauchen Rohstoffe. Warum also nicht auf Materialien zurückgreifen, die sonst im Müll landen würden. Ein schöner Ansatz, findet Yannick Doering vom funk-Kanal „Glanz und Natur“. Sicherlich ist es lobenswert, mit den Materialien und Ressourcen zu arbeiten, die wir haben, anstatt immer wieder neue zu generieren.
Yannick gibt aber zu bedenken, dass das Plastik einen aufwändigen und energieintensiven Prozess durchlaufen muss, bis man es als Kleidung tragen kann.

WIE MACHT MAN AUS ALTEM PLASTIK KLAMOTTEN?
Polyethylenterephthalat, kurz PET, kennt man aus Flaschen, Fischernetzen oder anderen Plastikteil. Es wird gesammelt, farblich getrennt, sortiert und aufwändig gereinigt. Gerade bei der Reinigung des alten Plastiks kommen je nach Verunreinigung diverse Chemikalien zum Einsatz. Das saubere Plastik wird anschließend geschreddert und eingeschmolzen. Die Schmelze wird ein weiteres Mal gereinigt. Final wird ein Garn oder eine Faser gesponnen, die zu einem Textil weiterverarbeitet werden kann.

MODE AUS RECYCELTEM PLASTIK: WORAUF ACHTEN BEIM KAUF?
Beim Hamburger Eco-Fashion Label Jan’nJune erfährt ÖKOCHECKERIN Katharina von der Mitgründerin Juliana Holtzheimer, worauf man beim Kauf von recycelter Plastikmode achten sollte. Wichtig: Die PET-Flaschen dürfen nicht aus einem funktionierenden Pfandsystem gerissen werden. Es sollte sich wirklich um Altflaschen handeln. Im Zweifel genau beim Label informieren, woher die ihr Plastik bekommen. Der große Nachteil: Nicht jedes Label will darüber Auskunft geben!

Um sicherzugehen, dass sich keine Giftstoffe in der Kleidung befinden, kann man auf diese Siegel achten:
► Bluesign: Konzentriert sich auf Chemikaliensicherheit.
►Global Recycling Standard: Konzentriert sich auf Rückverfolgbarkeit des Plastiks.

WIEVIEL MEERESMÜLL STECKT IN MEINER KLEIDUNG?
Kai Nebel von der Hochschule Reutlingen hält das Sammeln von Ozeanplastik für eine reine PR-Masche. Der Experte bezweifelt, dass es ökonomisch für die Labels sinnvoll ist, Plastikmüll aus dem Meer zu fischen und daraus ein T-Shirt zu machen.
Er hat klare Worte für ÖKOCHECKERIN Katharina: „Meeresmüll am besten verbrennen, um daraus noch Energie zu gewinnen.“ Harte Worte, aber die haben ihre Gründe. Meeresmüll ist voller Schadstoffe, teilweise zersetzt und stark verunreinigt. Die Aufbereitung ist energieintensiv und verbraucht zusätzliche Ressourcen. Eine Ökobilanz oder eine Life-Cycle-Analyse gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

FAZIT
Pro:
+ Mit bestehenden Ressourcen zu arbeiten, ist generell ein guter Ansatz.
Contra:
– Fehlende Transparenz in der Rückverfolgbarkeit: Aus welchen Quellen stammt das Plastik wirklich?
– Die Aufbereitung ist sehr energieintensiv

Quellen:
► Heinrich Böll Stiftung / BUND (2019): Plastikatlas. Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff. Online unter:

► Ann-Kathrin Marr/NABU (2020): Plastik vom Strand. Ozeanmüll ist gut – fürs Image der Unternehmen. Online unter:
►Deutsche Umwelthilfe (2020): Plastik. Online unter:

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Autoren: Julia Müller
Schnitt: Tabea Milling
Redaktion (solisTV): Sarah Weihsweiler, Isabel Bublitz
Redaktion (SWR): Inga Vennemann, Holger Conzelmann
Bildquelle: SWR
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SWR Marktcheck
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33 COMMENTS

  1. Moin, erst einmal Gratulation, das so ein Beitrag öffentlich-rechtlich gesendet wird. Als Gründer vom Outdoorlabel Palgero setze ich mich seit Jahren gegen jeglichen Einsatz von recyceltem Polyester ein. Das ganze ist eine unsägliche Greenwashing Kampagne. Dem Verbraucher wird suggeriert dass er etwas für die Umwelt tut, das Gegenteil ist der Fall. Nach jedem Recycling Vorgang besitzen die Fasern nicht mehr die Festigkeit, die bei neuem vorhanden Polyester ist,, das heißt in der Wäsche wird der mikroplastik Ausschuss im Vergleich zu neuen Polyester sogar erhöht. Allein die Tatsache, wie in eurem Film geschildert, das mittlerweile neue PET Flaschen gefertigt werden, die ausschließlich dem Zweck dienen sofort und unmittelbar daraus Textilien zu fertigen, zeigt doch deutlich, das große Teile der Textilindustrie überhaupt kein Interesse daran haben, nachhaltig für eine bessere Zukunft zu arbeiten. Hier handelt es sich nur um Gewinnmaximierung, die der Umwelt extrem schadet. Peter

  2. Sehr guter Beitrag zu dem Thema! Ich mache gerade mein MSA und es hat mir sehr geholfen! Vielen Dank und weiter So!

  3. Klar, Baumwolle bedeutet auch wieder einen hohen Wasserverbrauch und der Einsatz von Pestiziden und oft auch schlechte Arbeitsbedingungen in Herkunftsländern, aber wir haben schon immer Hanf, Flachs und Leinen im eigenen Land angebaut. Das ist irgendwie in Vergessenheit geraten, weil wir nur noch Fastfashion kaufen, die wir oft gar nicht tragen. Dann lieber EIN gutes Produkt, mit Biorohstoff und GOTS Zertifikat… oder lieber Secondhand und nur das, was man wirklich braucht.

  4. Also ich bin komplett gegen Kleidung aus Kunststoffen, denn beim waschen lösen sich Fasern und laden am Ende als Mikro Plastik im Wasser und dann im Meer.

  5. Ist es nicht so, dass auch wenn Kleidungsstücke aus Recyceltem Plastik bestehen, sie immer noch beim Waschen Mikroplastik ins Grundwasser spülen?

    Würde mich sehr über eine klärende Antwort freuen.

  6. Ich bin gegen Nachhaltige Kleidung, was berührt meine Haut sollte reine Baumwolle oder frischs natürliches Material. Recycle geht es beim viel anderen außer Kleidung

  7. Wie hoch ist denn nun der prozentuale Anteil an Recycling-Plastik in der Kleidung oder der Tasche?

  8. Waren die 5 Cuts von 6:05 bis 6:12 nötig? Für mich als Zuschauer nicht schön anzusehen.
    Sonst guter Beitrag. 🙂

  9. Und hier zeigt es sich mal wieder! Seid skeptisch Leute und hinterfragt. Macht Euch (mit seriösen Quelleb!) schlau und wägt dann ab, was Ihr kauft oder was Ihr für sinnvoller erachtet.
    Danke Marktcheck für den kleinen Einblick hinter den Kulissen. Ich bin klar FÜR neue Idee und Nachhaltigkeit und absolut gegen Verschwendung, Müll und Umweltsünden, doch wie gesagt, muss man unbedingt mit gesundem Menschenverstand an allem Neuen rangehen, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt.

  10. Plastic Flaschen werden bei uns nicht zu neuen Plastic Flaschen, bei Lebensmitteln darf nur neues Plastic genommen werden.

  11. Wir haben auf der ganzen oberen Etage Teppichboden verlegen lassen,der zum Teil aus Kunststoffen aus dem Meer gemacht worden ist.Sind super zufrieden.

  12. Naja, wenn man schon ü50 ist und vieles gesehen hat, findet man sowas nur noch komisch. Das ist doch nichts mehr als ein Marketing-Gag. In den letzten Jahrzehnten hat es die Gesellschaft in Sachen ökologischem Konsum nicht viel weiter gebracht. Dosenpfand, Tüten kosten was und Bioanbau. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Dem Gegenüber steht ein Kosum, der um das zig-fache angestiegen ist, was man an diesen Marketing-Gags "einspart".

  13. Vielleicht sollte man auch anprangern das vier Kollektionen im Jahr, jedes Jahr neu etwas over the top ist.

  14. ich finde eure Arbeit ziemlich gut. Vielleicht die letzte kritisch Hinterfragende Sendung. sonst wird immer nur gegen Nahrungsergänzungsmittel gehetzt, die sehr gut sind, da wir die ganzen Stoffe durch jnsere verschmutzte Nahrung nicht mehr aufnehmen können

  15. Was ist den mit dem Micro Plastik das endsteht wenn ich synthetische Kleidung wasche das gelangt doch dann auch wieder ins mehr und das rauszufilter ist doch unmöglich oder 🤷

  16. Also die Idee ist schonmal gut und ich kaufe auch vorzugsweise Klamotten aus recyceltem Plastik, aber ich bin gespannt, was ihr rausgefunden habt.

  17. spannendes Thema, sehr am Puls der Zeit. Sehr cool, dass ihr das mal kritisch untersucht.

    Man wird ja im Moment von umheimlich vielen Seiten mit Werbung für vermeintlich nachhaltige Kleidungsstücke aus recyceltem Plastik zugespammt. – man denke alleine an das neue Modelabel von Stefanie Giesinger und Marcus Butler, was sich gern als Weltverbesserer inszeniert, aber letztendlich auf Fast Fashion Massenkonsum setzt.

  18. Aktuell ist es mit sicherheit ein Gesunder mix aus Kunstfasern und Naturfasern. Langfristig sollte man jedoch definiv auf diese Art der Mode verzichten. (Außer bei spezieller Outdoor, Funktionskleidung oder für Alergiker die zb. probleme bei Merinowolle haben. Mit jedem Waschgang gelangt wieder Microplastik und Nanoplastik in den Wasserkreislauf. Das fehlt leider in diesem Kurzbericht. Am besten weniger Konsimieren und auf Labels wie dem GOTS-Label achten. Im durschnitt Kauft der Deutsche ca. 60 Kleiderstücke im Jahr, da muss ebenfalls angesetzt werden und ein Umdenken stattfinden
    .

  19. Kleidung aus Kunststoff? Nicht bei mir. Ich trage ausschließlich reine Baumwolle oder Schafwolle und solche Kleidungsstücke halten sehr, sehr lange. So habe ich einen Mantel und einen Kotzen, die schon über 40 Jahre alt sind und noch wie neu aussehen (sind aus steirischen Loden handgefertigt). Als Hose trage ich Leder seit meiner Kindheit und so eine Hose hält in der Regel ein Leben lang. Noch nachhaltiger geht nicht. Und zum Plastik: Schlimm, dass damit die Meere vermüllt werden – aber wo, bitte schön, liegt die Ursache bei mir als fast reiner Landbewohner ohne Meereszugang? Das Problem dürfte wohl eher die Politik und die Wirtschaft sein, die hier breitgefächert versagen!

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